Notizen aus der Weinprovinz.

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Ein Burger in Berlin. Mit Wein

Wenn man mich fragen würde, wo ich meinen besten Burger gegessen habe, müsste ich kurz überlegen. Ich esse die Dinger zwar nicht ständig, aber doch ganz gern. Ab und zu. Ich glaube, es war in Ottawa und das Ding hieß damals Bronto Burger. Der Name bezog sich auf die Größe, nicht auf das Fleisch. Ich konnte beim essen den Parliament Hill spotten und der Burger war wirklich gut. Ob er tatsächlich mein bester Burger war, würde ich aber nicht beeiden wollen. Es ist auch schon eine Weile her. Vielleicht liegt meine Einschätzung auch an der reizvollen Location und der Möglichkeit, dass ich hier damit angeben kann, schon mal einen guten Burger in Kanada gegessen zu haben.
Berlin ist allerdings näher. Räumlich wie zeitlich. Ich bin ja dort recht oft und greife natürlich auch gern das kulinarische Angebot entsprechend ab. Wie ich an dieser Stelle schon geschrieben habe, auch öfters in der Markthalle Neun in Kreuzberg.
Und dort soll es den besten Burger der Stadt geben. Sagt man hier und da.
Da es mir vor kurzem in den Kram gepasst hat und keine Austernzeit war, habe ich mich zum Selberessen aufgemacht. Ich hatte nämlich Hunger.
Den Burger gibt es nicht etwa in einem hippen Hipsterburgermitcoolemnamenladen, sondern bei einem hippen Fleischer. Oder Metzger. Wobei Fleischer in Berlin gebräuchlicher ist und nur durch Einflüsse aus Südwestdeutschland… egal. Bei Kumpel & Keule. Und hipp ist in diesem Fall nicht despektierlich gemeint. Echt.
Während andere Fleischer dicht machen und/oder durch Supermarkttheken oder vegane Coffeshops ersetzt werden, haben sich Hendrik Haase, Jörg Förstera and Friends sich einfach neu gegründet. Und neben den üblichen Sachen wie Fleisch und Wurst, gibt es ein kleines, aber feines Imbissangebot. Und der Knaller, ich sage es vorweg, ist der Burger. Genauer, der Dry Aged Beef Burger. Da es sich hier um eine gläserne Fleischerei (oder halt Metzgerei) handelt, kann man auch bei der Burgerzubereitung zusehen. Das Fleisch ist das erwähnte Dry Aged Beef. Medium. Kommt vom Boeuf de Hohenlohe und aus der Gegend von Rothenburg ob der Tauber. Dazu gibt es das – wie es sich gehört –  angeröstete Brötchen vom italienischen Bäcker Sironi von gegenüber, um die Ecke. Italienisches Mehl. U know. So nebenbei. Dazu Deichkind Deichkäse und Salat. Und sparsamster Soßeneinsatz.
Ich habe noch Bacon dazu geordert. Was ich sonst nie mache. Aber es schmeckt deliziöst. Man schmeckt einfach das Fleisch. Und hat dessen Aroma noch lange danach in den Sinnen verankert.
Alles andere stellt sich sinnvoll hinten dran. Brötchen, Bacon, Käse, Salat, Soße. Kein vordrängeln der Zutaten. Alles wunderbar händelbar. Beim vorne reinbeißen fluppt zum Beispiel nicht hinten das Fleisch wieder raus. Was in solchen Fällen ja gerne vorkommt. Dazu ist alles wunderbar saftig. So saftig, dass ich mich zum Glück nicht bekleckert, aber den Stehtisch ziemlich eingesaut habe. Aber, es ist Streetfood. Und ich bin zwar Europäer, aber auch Deutscher. Habe also alles feinsäuberlich anschließend weg- und saubergewischt.
Den Burger gibt es für ziemlich unverschämte 7,50 Euro. Unverschämt günstig, wie ich finde. Für diese Qualität, sehr unverschämt günstig. Ja, ja. Das bezahlt man bei McDonalds auch. Ok, als „Menü“ mit gefärbten Zuckerwasser und frittierten Kartoffelmassestäbchen. Und man schmeckt beim BigMac auch nur die Soße, das Fleisch ist pupstrocken und auch sonst absolut nicht vergleichbar. Man merkt wie sich das Ding und dessen Preis von selbst relativiert. Vergessen wir das also wieder.
Dazu habe ich mir, natürlich ein Gläschen Wein gegönnt. Also danach. Ich wollte nicht mir dem Burger durch die halbe Markthalle latschen. Mit etwas Organisation oder Arbeitsteilung, so man nicht allein isst, schafft man das auch zum Essen dazu. Denn, es gibt am gegenüberliegenden Ende der Markthalle Neun, den Stand der Weinhandlung Suff. Dort wird man gut fündig. Ich fand einen Groszen Wein. Einen Blaufränkischen aus dem Südburgenland.
Alles in allem vermag ich natürlich nicht zu sagen, ob das nun der beste Burger von Berlin, Brandenburg oder gar Deutschlands ist. Aber er ist ganz, ganz, ganz verdammt gut. Meine dringendste Empfehlung!

Markthalle Neun
Eisenbahnstrasse 42/43
10997 Berlin-Kreuzberg

markthalleneun.de

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