Notizen aus der Weinprovinz.

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Portwein, Darling! Ein Plädoyer für etwas, was nicht immer so heißen darf …

Im Winter werden nicht nur die Überschriften etwas länger. Man trinkt gern auch etwas anderen Wein. Das ist ganz normal. Man pflegt in der kalten Jahreszeit ja auch etwas anders zu essen. Niemand käme beispielsweise auf die Idee, bei minus 10 Grad Melonen oder Erdbeeren … Ok, blöder Vergleich.
Aber bei den alkoholischen Getränken sieht es wenigstens dementsprechend aus. Hektoliter an, leider gern katastrophal schlechtem Glühwein, irgendwas wie Punsch, Glühbier (WTF?) oder andere, als Getränk verkaufte, herbsüße Beleidigungen der Geschmacksnerven, gehen über die Theken und Tresen. Egal, Hauptsache es dreht.
Geht aber auch anders. So haben sich Generationen vor uns schon Gedanken gemacht. Nicht über die schnelle Kohle mit oben genannten … ähh … Getränken, sondern über praktische Dinge. Wie man den Wein haltbarer macht. Das war vor einigen Hundert Jahren ja noch ein Problem.
So ist man in der Gegend von Porto damals wohl auf die Idee gekommen, dem gärenden Wein einfach Alkohol zuzusetzen. Und, zack, fertich war der Portwein. Der nicht nur ordentlich Umdrehungen hat, sondern auch eine ziemlich süße Note.
Und inzwischen gibt es Portwein in verschiedensten Formen. Darf man gerne mal selbst googeln.
Und als ich mir vor kurzem so dachte, dass ich mir einfach wieder einen guten Portwein gönnen sollte, wollte der (nicht ganz so große) Zufall, dass ich mal wieder in der Dresdner WeinKulturBar aufschlug. Und da mir, unter anderen, nach Portwein war, habe ich vom Scheffe natürlich auch Portwein bekommen.
Modern und weiß sollte er sein. Ja, Port gibt es auch in weiß. Und modern bedeutete hier, er war aus Südafrika. Blöderweise darf Portwein nur als Portwein bezeichnet werden, wenn er aus der Umgebung von Porto kommt. Behörden, sie wissen schon. Ansonsten heißt er Likörwein. Muss er. Das trifft die Sache zwar, finde ich aber einen doofen Begriff.
Klingt irgendwie nach Rommé spielenden Omas. Bis ich einen passenden Begriff gefunden habe, sollte ich ihn einfach Likörwein also known as Portwein (LAKAP) nennen. Oder einfach Port …
Jedenfalls fand ich den Südafrikaner ziemlich gut. Und habe mir eine Flasche mitgenommen, den virtuellen Kamin angeworfen und ihn hübsch aufgeteilt. Da ich Genießer bin, nippe ich immer noch beim tippen dieser Zeilen an der Flasche. In der ist, oder besser sind, Reste eines Hanepoot Jerepigo Treintjiewyn von Villiersdorp Cellar.
Er riecht dezent nach Rosinen und einem Hauch von Alkohol. Das liegt daran, dass ich den Por… Likörwein im Kühlschrank habe. Ich finde, bei einem weißen LAKAP macht man das so. Sobald er wärmer wird, schmeckt er dann aber etwas intensiver. Natürlich wieder die Rosinen und dem Alkohol. Muss ja, mit rund 15 Volumenprozent. Hat etwas von Traubisoda (ohne Alkohol!). Kennt die wer? Zumindest in Österreich und Ungarn vermutlich. Dazu gibt es einen feinen Geschmack von Muskateller. Das ist kein Wunder, denn die Hanepoot Trauben sind nichts Anderes als … Tusch! Muskateller. Aber alles ist recht gut ausbalanciert. Man hat weder das Gefühl an einem Zuckerschock zu verenden, noch am nächsten morgen irgendwo in fremden Betten mit Erinnerungslücken aufzuwachen. Sofern man sich nicht die ganze Flasche einverleibt, selbstverständlich.
Für die Ortsansässigen, diesen LAKAP gibt es selbstverständlich in der WeinKulturBar. Man darf aber auch einen der anderen, unzähligen und auch guten Likörweine aus aller Herren Länder nehmen. Oder einen echten Port. Nichts dagegen, Überhaupt nicht. Hauptsache er ist gut!

One Comment.
  1. Tobias sagt:

    Hallo!

    Das ist ja mal ein toller Bericht! Und so witzig geschrieben! Top!

    LG,

    Tobias

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