Notizen aus der Weinprovinz.

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Esst mehr Schnitte! Zum Wein

Früher, als die Welt noch in Ordnung gewesen sein soll(te), gab es so ein Klischee. Ein Junge in Lederhosen kam traurig nach Hause und Mutter hat ihn, zur Herstellung des allgemeinen Wohlbefindens … keine geschmiert. Das gehörte damals noch zum Standard. Sie schmierte ihm ein Butterbrot.
Das mit eine Schmieren ist etwas aus der Mode gekommen. Mit Recht. Aber die Sache mit dem Brot scheint sich langsam, aber sicher in das Bewusstsein zurückzuarbeiten. Oder wenigstens in der Blickwinkel der Lifestylisten.
Es muss ja nicht jedes Mal Molekularküche oder etwas mit Sternen sein. Aber hin und wieder frische bretonische Austern, japanische Küche oder von mir aus auch ein guter(!) Burger sollten es schon sein.
Anyway, manchmal bedeutet gut, aber auch ganz ganz einfach. Das gute alte Butterbrot eben. Schnitte, Kniffte, Stulle, Bemme. Je nach Belieben.
Natürlich sollte man auch das Butterbrot noch etwas pimpen. Nicht nur, wenn man kein kleiner Junge mehr ist. Ich mache das zum Beispiel gerne mit Sardinen. Ich nehme keine Jahrgangssardinen. Man muss ja nicht jeden Scheiß mitmachen. Aber ich bevorzuge die von la belle-iloise (Eigenschreibweise) aus Frankreich. Natürlich sind die um Einiges teurer als jene, welche man im Discounter ganz unten im Regal findet. Aber sie sind wirklich erstklassig und ich wollte ja auch über gutes Essen schreiben.
Die liegen auch nicht so sprichwörtlich eng gequetscht in ihrem (und in diesem Fall Oliven-) Ölbad, so dass man beim herausnehmen befürchten muss ein Stück öliges Filet über den Tisch und in den Raum zu katapultieren.
Dazu reiche ich (mir) gute Butter, sehr gerne Natursauerteigbrot aus der bayerischen Biobäckerei (ich habe nichts von Ökobilanz gesagt!), frische Zitrone und Pfeffer aus der Mühle. Mehr braucht es nicht. Doch!
Denn wie sagte Woody Allen schon? „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Nach einer Weile braucht er einen Drink.“ Oder gleich ein paar Drinks. Da das hier aber ein Weinblog und kein Fuselblog ist, nehme ich natürlich – richtig – Wein.
Ich habe mir diesmal einen Elsässer dazu gegönnt. Nicht den, sondern einen Wein aus dem Elsass. Soll ja Spaß machen. Also einen Alsace Riesling Grand Cru 2009 „Wineck-Schlossberg“ von Paul Blanck. Darunter mache ich es nicht. Gut, ich hatte gerade keine große Auswahl vorrätig. Dennoch. Eine sehr überzeugende Kombination.
Wir, die sich einbilden Ahnung vom Wein zu haben, nennen sowas einen gereiften Wein. Andere vielleicht: Der ist doch bestimmt schon drüber. Ich hatte da mal einen aus dem Supermarkt … Oder ist der noch gut? Ist er. Schnuppert in der Nase sehr voll, hat vielleicht etwas von Portwein. Richtig, das ist kein pupstrockener Riesling. Der hat Zucker. (Restzucker sieben Gramm. *Hust*) Gehabt, sozusagen. Die Zeit hat ihm die süßen Flausen ausgetrieben.  Am besten lässt man ihm Luft. Viel Luft. Dann klebt auch nichts mehr. Da ist dann noch etwas Eisbonbon und Quitte. Verschwindet gaaaanz lang hinten im Gaumen und korrespondiert sehr schön mit der Mahlzeit. Ich finde, das habe ich schön gesagt.
Wem das alles zu blöd ist. Der kann natürlich auch einfachere Zutaten nehmen. Das würde ich schon durchgehen lassen. Obwohl? Nein.

Domaine Paul Blanck & Fils
32, Grand’Rue
68240 Kientzheim
France

www.blanck.com

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