Notizen aus der Weinprovinz.

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Jungweinprobe 2016: Allerhand Wein

Wie meist jedes Jahr im April treffen sich alle mehr oder weniger relevanten Weingüter (außer Klaus Zimmerling) der Weinanbaugebiete von Saale, Unstrut und Elbe zu ihrer Großen Gemeinsamen Jungweinprobe. Diesmal fand der Spaß wieder drüben im Westen, bei den Winzerkollegen in der Rotkäppchen Sektkellerei in Freyburg an der Unstrut statt. Ein Spaß, ist es doch die Gelegenheit zu vergleichen, sich zu präsentieren, auf sich aufmerksam zu machen. Dennoch war etwas anders in diesem April 2016.
Ein Weingut, welches sozusagen Gründungsmitglied dieser doch sehr erfolgreichen und traditionellen Veranstaltung ist, war nicht vertreten. Einfach so. Ohne Ankündigung, ohne Erklärung, ohne Mitteilung. Verschwunden, wie ein in Ungnade gefallenes Regierungsmitglied des „Dicktators“ (Zitat Bild-Zeitung) Kim Jong-un aus Nordkorea. Allerdings brauchen wir hier nicht den südkoreanischen Geheimdienst zu bemühen, um an eine Erklärung zu kommen. Wir ahnen es, der Dimethoat-Skandal zieht seine Kreise bis an die Unstrut. Das Weingut, war die Winzergenossenschaft Meißen. Und das Thema knisterte in der Luft. Der Vorstandsvorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen, Christoph Reiner war sichtbar bemüht die Wogen zu glätten. Gelungen ist es ihm nur teilweise. Nicht nur in der Pressekonferenz blieben manche Fragen offen. Auch an den Verkostungstischen stolperte man immer wieder über dieses, für den sächsischen Weinbau alles andere als förderliche Thema.
Dabei hätte sich für manche die Gelegenheit zum Zuhören ergeben. So waren im 25. Jahr der Jungweinprobe die beiden Gründungsgroßväter der gemeinsamen Jungweinproben, Rudolf Knoll und Udo Lützkendorf, anwesend. Bei aller Sentimentalität und Rückblicken gab es von diesen älteren Herren durchaus etwas zu lernen. Etwa bei Lützkendorfs Antwort, wo er die Zukunft der beiden Weinanbaugebiete sieht. „Nur in der Konzentration auf hohe Qualität.“ Ein Satz den nicht jeder Winzer verinnerlicht hat.
Dennoch gab es jetzt schon einige hohe Qualitäten unter den ausgestellten 236 Weinen und Sekten zu finden. Die Winzer sind mit dem Jahrgang zufrieden. Und so stellen sich die Weine auch dar. Der Jahrgang 2015 ist noch jung und so der Winzer ihm die Zeit zur Reife gibt und nicht dem Jungweinwahn verfallen, ist einiges möglich. Zum Beispiel, Luft nach oben.
Wie bei einigen Gütern aus dem Raum Berlin, welche zum Anbaugebiet Saale-Unstrut gehören und sich inzwischen unter die Kollegen aus dem Süden trauen können. Oder bei manchem sächsischen Weingut, bei dem der Schein nach wie vor schöner als der Inhalt der Flasche ist. Etwas enttäuscht hat der ehemalige thüringische Ableger des sächsischen Weingutes Schloss Proschwitz, das Weinhaus zu Weimar. Bis auf den Weinberg ist hier zwar alles neu; der günstigere Preis täuscht aber nicht darüber hinweg, dass früher nicht alles schlechter war als heute.
Aber es gibt auch eine Menge Kontinuität bei der Qualität der Weine. Bei den Weingütern aus Saale-Unstrut kann man sich zum Beispiel auf die Namen Gussek, Pawis oder Hey verlassen. Wieder ganz oben zurück ist auch Uwe Lützkendorf, dessen Weine sicher nicht jedermanns Sache sind und eine gewisse Reife und Aufmerksamkeit erfordern. Aber ist es nicht das, was einen guten Wein ausmacht? Aufmerksamkeit erregte auch der Allerhand. Das ist praktisch die Antwort der Winzer vom Breitengrad51 auf die Terrassenweine. Und ein Beispiel dafür, dass gute Qualität nicht teuer sein muss.
Tja, und da wären wir ja doch irgendwie bei den Weinen aus Sachsen. Wie gesagt, irgendwie. Verlässlichkeit gibt es aber auch hier. Namen wie Proschwitz oder Schwarz werden nicht wirklich überraschen. Auch hier und da Wackerbarth, Fourré oder Aust nicht. Aber es gilt, dies ist ein erster Überblick. Der Jahrgang ist noch jung und man sollte den Weinen die Zeit geben, die sie brauchen. Und sich nicht immer wieder der sächsischen Art des Fire-and-Forget hingeben. Also, was gleich rausgehen kann, geht auch gleich raus.
Es wäre schön, in Zukunft noch viel mehr Tankproben auf den Jungweinproben zu sehen, als fertig abgefüllte Weine. Ja, wir wissen. Die Kunden. Aber zurzeit?
Apropos Trend. Nach dem geschmacklich eher fragwürdigen Hobby einiger sächsischer Winzer, ihre Weine als Glühwein zu vergolden, wird hier und da der Sekt entdeckt. Eine durchaus lohnenswerte Geschichte, wie man zum Beispiel beim durchaus vielschichtigen 2013er Rieslingsekt vom Weingut Steffen Schabehorn sehen kann. Das wäre doch auch ein Plan…

(Dieser Artikel ist so oder in ähnlicher Form vorher auf dresdenwein.de erschienen.)

 

 

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